Auf Stelzen über die Elbinsel


Finkenwerder vor 120 Jahren: Das Ölgemälde zeigt die Werft des Carsten Julius Wriede, des reichsten Unternehmers der Insel

Finkenwerder feiert seinen 750. Geburtstag - und das gleich zehn Tage lang. Keinen kann es überraschen, denn zu feiern verstanden die Leute von der Elbinsel, traut man den

Chronisten, schon immer: Noch im 19. Jahrhundert zählten "Trunksucht und Völlerei" zu den lebensgefährlichen Krankheiten des "sturmerprobten Eilandes". Auf einen 750. Geburtstag allerdings hätte damals keiner auch nur einen Nickel zu setzen gewagt. Warum nicht? "Am 28. November 1859 ist der Weltuntergang!" hatte den Inselbewohnern nach der Deichbruchkatastrophe von 1855 ein Unbekannter prophezeit - und (fast) alle glaubten es.
Die Wahrheit sah, heute wissen wir es, sah anders aus: Finkenwerder; Jahrhunderte

hindurch chaotischer Tummelplatz zahlloser Sturmfluten, war (und ist) unsinkbar! Nur deshalb kann es jetzt zu einer der gewaltigsten Geburtstagsfeten aller Zeiten kommen. Wobei es keinen der Festgäste stören wird, daß das Geburtstagsdatum nicht von der Geschichte, sondern vom Zufall gezeugt wurde: Anno domini 1236 ist "Vinkenwärder" zum erstenmal urkundlich erwähnt worden. Das ist das ganze Geheimnis.
Über den Namen haben sich viele kluge Leute die Köpfe zerbrochen.

Serie zum 750. Geburtstag von Finkenwerder (Teil I)
26. August 1986, Nr. 197